< Die zweite Ausgabe der DOG Times
31.08.2021 09:00 Alter: 58 days
Kategorie: News

25 Jahre Hundezentrum Münzner

Das Hundezentrum Münzner feiert diesen Monat sein 25-jähriges Jubiläum. Eigentlich wollten wir ein riesen Event vor Ort veranstalten mit vielen Attraktionen für Kinder und Erwachsene und spannende Vorträge mit tollen Gästen. Allerdings gestaltete sich die Planung sehr schwierig und unsicher. Deswegen haben wir beschlossen, dass wir auf diesem Weg mit euch feiern und die 25 Jahre Revue passieren lassen. Aber keine Sorge: Die große Feier holen wir natürlich voraussichtlich 2022 nach. Am 01. August 1996 meldete Heiko Münzner ein Gewerbe an und gründete das Hundezentrum Münzner. Zugegeben gab es damals mehr Kritiker, als Befürworter für sein Vorhaben. Ein Ausbilder für Blindenführhunde war in der damaligen Zeit eher ungewöhnlich. Niemand hätte auch nur einen Cent darauf gewettet, dass es die Schule länger als ein Jahr geben würde. Und mittlerweile sind über 250 Blindenführhunde deutschlandweit vom Hause Münzner im Einsatz und unzählige erfolgreiche Mensch-Hund-Teams in der Hundeschule vor Ort. Wie es Heiko zu diesem Erfolg geschafft hat, das HZM zu dem zu machen, was es heute ist und wer ihm am meisten Kraft dabei gegeben hat, verrät er uns im XXL-Interview als Sonderausgabe der DOG TIMES.


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Heiko, du hast den Hund zu deinem Beruf gemacht. Hattest du selbst in deiner Kindheit einen Hund als Haustier?

Ich muss dazu sagen, dass ich als Kind wirklich Angst vor Hunden hatte. Sobald ein Hund in meiner Nähe war, wurde ich panisch. Mit 6 Jahren hat sich meine Angst dann plötzlich in Euphorie umgewandelt. Bekannte von meiner Familie hatten einen Collie und ich war total fasziniert. Daraufhin habe ich dann meine Eltern richtig genervt, dass ich einen eigenen Hund will. Meine Eltern waren allerdings davon überhaupt nicht begeistert, denn niemand aus der Verwandschaft hatte in irgendeiner Form ein Haustier. Im Alter von 10 Jahren ließ ich meiner Fantasie freien Lauf und dachte mir einen Hund an meiner Seite. Ab da hatte ich, zumindest in meinen Gedanken einen eigenen Hund. In meiner Jugend bin ich dann durch Zufall auf einem Hundesportplatz gelandet. Zu diesem Zeitpunkt bin ich auf Schäferhunde aufmerksam geworden. Die Energie dieser Rasse beeindruckte mich. Ich musste mir also wirklich etwas einfallen lassen, wie ich meine Eltern überreden könnte. Und tatsächlich erwischte ich einen schwachen Moment meines Vaters, als wir im Urlaub waren und nach einem entspannten Tag mit einem Gläschen Wein am Tisch saßen. Ich erzählte von allen Vorzügen eines Hundes und schließlich sagte er: „Dann kauf dir halt einen Hund.“ Direkt nach dem Urlaub hab ich mir einen Züchter herausgesucht und sofort einen passenden Schäferhund- Welpen angezahlt. So war ich mit knapp 17 Jahren stolzer Hundebesitzer von „Bessy von der Lauterer Höhe“. Die Hündin wurde am 07.08.1988 geboren. Von Beginn an habe ich mit ihr gearbeitet und habe sie auf dem Hundesportplatz ausgebildet - in sämtlichen Bereichen, wie Fährtenarbeit oder Schutzdienst. Mit Bessy habe ich an zahlreichen Wettbewerben erfolgreich teilgenommen und tatsächlich habe ich sie später als ersten „Testblindenführhund“ ausgebildet.

Wie hast du dir das ganze Wissen über die Ausbildung von Hunden angeeignet?

Ich habe wirklich jedes Buch, was es in der DDR gab, mindestens fünf Mal durchgelesen und natürlich jede Übung direkt an Bessy ausprobiert. Man muss aber wissen, dass es in der DDR keine Hundeschule, sondern nur Hundevereine gab. So habe ich mir auf dem Hundesportplatz einiges von anderen Hundebesitzern abgeschaut und zudem viel gelesen.

Wolltest du schon immer Hundetrainer werden oder was war dein erster Berufswunsch?

Den Beruf „Hundetrainer“ gab es ja damals in der DDR nicht. Aber amüsanterweise habe ich in meiner Jugend bereits erste Konzepte und Ideen für eine Hundeschule entwickelt. Das war schon ein großer Traum von mir. Ich wusste nur mit meinen 17 Jahren noch nicht, wie ich damit Geld verdienen könnte. Einen richtigen Berufswunsch hatte ich also nicht wirklich. Aus praktischen Gründen habe ich dann eine Ausbildung zum Facharbeiter für Karosseriebau eingeschlagen. Sonderlich handwerklich begabt war ich nicht, aber ich wusste, dass ich in diesem Bereich viel Geld verdienen kann. Ein altes Auto war früher mehr wert, als ein neues, weil einfach die Nachfrage so hoch war. Im letzten Jahr der Ausbildung standen dann die theoretische und praktische Prüfung an und wie es das Schicksal so wollte, bin ich durch die Praktische durchgefallen. Eigentlich wollte ich während mei- Ich habe wirklich jedes Buch, was es in der DDR gab, mindestens fünf Mal durchgelesen und natürlich jede Übung direkt an Bessy ausprobiert. Man muss aber wissen, dass es in der DDR keine Hundeschule, sondern nur Hundevereine gab. So habe ich mir auf dem Hundesportplatz einiges von anderen Hundebesitzern abgeschaut und zudem viel gelesen. nes Zivildienstes die Prüfung nachholen, aber in dieser Zeit bekam ich die Diagnose Diabetes. Ich lag über sieben Wochen im Krankenhaus und dann stand fest, dass ich als Insulinpflichtiger- Diabetiker nicht an rotierenden Maschinen arbeiten darf. Mit 21 Jahren so eine Diagnose... Das hat mich schon zweifeln lassen und ich habe mir viel Gedanken über meine Zukunft gemacht. Zunächst habe ich die Ausbildung abgebrochen, aber meinen Zivildienst im Pflegeheim beendet. Danach war ich erstmal ratlos, wie es weitergehen soll. Da ich sehr kreativ bin und immer viele Ideen habe, entschied ich mich dazu, mich selbstständig zu machen.

War das der erste Schritt mit der Blindenführhundschule?

Die Idee einen Blindenführhund auszubilden, kam mir zu dem Zeitpunkt der Diagnose. Ich lag im Krankenhausbett und es kam ein Arzt, der sagte: „Wenn Sie sich nicht an die Regeln, die Ihnen die Krankheit auferlegt, halten, bemerken Sie innerhalb der ersten fünf Jahre Folgeschäden, wie zum Beispiel Blindheit.“ Das war natürlich ein riesen Schock für mich! Was bedeutet es für einen jungen Menschen zu erblinden? Ich dachte nächtelang über die Aussage nach und dachte dabei immer wieder an die Liebe zu Hunden. Ich hatte davon gehört, dass man Hunde für sämtliche Zwecke ausbilden könnte und so kam mir die Vision, einen Hund als Blindenführhund zu schulen. Ich beauftragte meine Mutter zu recherchieren, ob es Bücher in diesem Bereich gab. Und so brachte sie mir noch ein Buch ins Krankenhaus, welches ich sofort verschlang. Die Trainingsinhalte klangen recht simpel und ich war mir sicher, dass ich das schaffen würde. Trotzdem fühlte ich mich zu dem Zeitpunkt nicht mutig genug eine Blindenführhundschule zu gründen und habe mich 1993 erstmal mit meinem zweiten Hobby, neben dem Hund, selbstständig gemacht. Das war die Musik. Da ich in einer Band spielte, gründete ich einen kleinen Zeitschriftenverlag und veranstaltete Konzerte. Damit hatte ich in den folgenden Jahren mehr oder weniger mäßig Erfolg, aber ich konnte davon leben. Dennoch war es immer ein sehr risikoreicher Beruf und man setzte viel aufs Spiel. Der Erfolg des Events hing von der Anzahl der Zuschauer ab. Eines Abends platzte die Bombe. Juni 1996 - Es sollte die größte Veranstaltung meines Lebens im Kraftwerk Chemnitz werden. Ich konnte dafür eine Band aus Amerika organisieren und rechnete mit ordentlich Umsatz, um einerseits die Band zu bezahlen und für mein Unternehmen. Ausgerechnet an diesem Abend spielte im Halbfinale der Fußball-Europameisterschaft Deutschland gegen England. Zu meinem Event kamen schlappe 120 Zuschauer anstatt 800 erwartete. Nach diesem Abend war ich pleite. Ich musste meine ganzen Konten leerräumen, um die Band und alle weiteren Kosten des Events zu bezahlen. Danach stand für mich fest, dass dies mein letztes Konzert in dieser Form war. Ich stand am Straßengraben auf meiner Heimfahrt, wusste nicht, wie ich das meiner damaligen Frau erklären sollte und war einfach nur enttäuscht. Doch auf einmal hat sich in mir eine innere Ruhe ausgebreitet und ich habe gespürt, dass ich es jetzt mit den Blindenführhunden angehen sollte.

Und dann? Wie ging es weiter?

Zunächst habe ich es meiner damaligen Frau berichtet und sie hat die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen, aber ich muss ihr bis heute zu Gute halten, dass sie mich unterstützt hat. Jeder andere aus meinem Umfeld hat mich für verrückt erklärt. Selbst meine Eltern waren nicht sonderlich von der Idee eine Blindenführhundschule zu gründen, begeistert, aber sie wussten auch, dass sie es mir sowieso nicht ausreden können. In meinem 14-tägigen Ägypten- Urlaub (den habe ich wohlbemerkt Das grundlegende Problem war ja, dass die Blindenführhunde ihren Dienst ausgezeichnet durchgeführt haben, aber sobald sie aus dem Führgeschirr genommen wurden, ging nichts mehr. Das Führgeschirr bedeutete für die Hunde Arbeit und kein Führgeschirr Party. Also habe ich nach einer Lösung für dieses vor der großen Pleite gebucht) las ich das Buch über die Blindenführhundausbildung und danach habe ich umgehend, am 01.08.1996 beim Gewerbeamt mein altes Gewerbe ab- und gleichzeitig mein neues angemeldet. Und dann ging es richtig los. Ich war total heiß darauf endlich loszulegen. Ich fuhr dann zu meinem Züchter des Vertrauen und habe zwei, meines Erachtens geeignete Schäferhunde gekauft. Und so habe ich die beiden trainiert. Ich muss dazu sagen, dass ich keine Marktanalyse gemacht habe, ob überhaupt jemand einen Blindenführhund braucht, aber ich bin mit einigen Blindenverbänden deutschlandweit in Kontakt getreten. Und nach einiger Zeit hat sich tatsächlich die erste Blinde bei mir gemeldet. Ich konnte es selbst kaum glauben. Bis zu dem Zeitpunkt verdiente ich allerdings noch kein Geld und musste nachts bei meinem Vater Kurierdienst fahren. Das waren keine einfachen Zeiten... Teilweise schlief ich nur drei bis vier Stunden, damit ich alles auf die Reihe bekam.

Wer und wie war der erste Blindenführhund und der erste Kunde?

Sowohl mein erster Privathund, als auch der erste Blindenführhund war en Schäferhunde der Ostdeutschen- Linie. Sie waren schwarz und braun, wobei das Schwarze überwogen hat. Diese Kombination gefällt mir bis heute. Der erste Blindenführhund war eine ...

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